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Aktuelle Entwicklungen im Religionsunterricht in Deutschland Dieser Bericht fasst Informationen zu Entwicklungen und zu Diskussionen zum Religions- unterricht an der öffentlichen Schule in Deutschland zusammen. Die Diskussion um Religionsunterricht sollte dabei in einem größeren Rahmen gesehen werden, denn die Bildungsdebatte wird derzeit von den Folgen zweier internationaler vergleichender Studien beeinflusst: Das OECD „Programme for International Student Assessment" (PISA), eine Untersuchung zu den Wissensständen und Fähigkeiten von 15 Jahr alten SchülerInnen (Lesen, mathematische Kompetenz und wissenschaftliche Kompetenz) und der internationalen Lesestudie für die Grundschule (PIRLS), die Lesekompetenz (u.a. Kompetenzen) bei SchülerInnen am Ende der Grundschulzeit gemessen hat. Während die Ergebnisse deutscher Schulerinnen und Schüler bei PISA schlechter als erwartet waren, so waren die Leistungen der Grundschüler durchaus akzeptabel. Die Diskussion um ein effizienteres Bildungswesen hat die Frage nach Standards in allen Fächern ausgelöst. Diese Debatte findet auch für den Religionsunterricht statt Die allgemeine Situation des Religionsunterrichts (protestantisch) wurde in einem offiziellen Bericht der Kultusministerkonferenz im März 2003 zusammengefasst (dieser Bericht wird regelmäßig vorgelegt). Religionsunterricht wird als ordentliches und etabliertes Schulfach im föderalen Bildungswesen angesehen. Nur wenige Schülerinnen und Schüler melden sich vom Religionsunterricht ab. Die Konferenz der Kultusminister hat sich dafür ausgesprochen, gemeinsame Standards für das Abitur in den Gymnasien vom Herbst 2004 an einzuführen. Die genauen Regularien werden in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Staat und den Religionsgemeinschaften verabredet. Zwei Umfragen, durchgeführt 2003, haben ein positives Urteil über den Religionsunterricht im Spiegel der Gesellschaft erbracht. In der ersten Untersuchung stimmten 82 % dem Fach Religionsunterricht an öffentlichen Schulen zu und 65 % bestätigten auch die Beteiligung der religiösen Gemeinschaften und der Kirchen. In der zweiten Untersuchung begrüßten 2/3 der Befragten den Religionsunterricht als reguläres Fach in der öffentlichen Schule und nur 7 % waren dafür, den Religionsunterricht aus dem Lehrplan zu entfernen. Konfessionelle Kooperation. Es gab fast keine neuen Entwicklungen während des Unterrichtsjahres in diesem Bereich. Auch der erste Ökumenische Kirchentag, der im Frühjahr 2003 mit 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Berlin stattgefunden hat, gab der ökumenischen Kooperation im Blick auf den Religionsunterricht keine neuen Impulse. Beispiele einer solchen Kooperation können auf regionaler Ebene insbesondere dort gefunden werden, wo die katholische Kirche in einer Minderheitensituation lebt (Niedersachsen und andere Gebiete) oder wo ein wissenschaftliches Projekt etabliert wurde (Baden-Württemberg). Interreligiöses Lernen. Dies ist eine überwiegend akzeptierte Aufgabe für den Religionsunterricht auf der Ebene der Lehrpläne und der Didaktik. Dennoch ist dieser Bereich nur in wenigen Bundesländern verpflichtender Teil der Lehrerausbildung. Und auch in der Praxis in der Schule wird interreligiöses Lernen beeinflusst durch Zweifel und Ängste der Lehrkräfte, Stereotypen und einem Mangel an qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern aus nicht christlichen Religionen. Das Comenius-Institut plant die Herausgabe eines Handbuches zum interreligiösen Lernen für 2005. Islamischer Religionsunterricht. Es gibt eine allgemeine Übereinstimmung, dass die Einrichtung eines islamischen Religionsunterrichts insbesondere dort notwendig ist, wo Muslime einen hohen Anteil an der Bevölkerung haben. Dennoch gibt es wenig Fortschritte in diesem Bereich. In Niedersachsen wurde in diesem Schuljahr ein Modellprojekt für einen deutschsprachigen islamischen Religionsunterricht in der Grundschule gestartet. In Bayern gibt es die Zustimmung, dass in einem Modellprojekt in Erlangen islamischer Religionsunterricht in eingeführt werden kann. Die Kultusminister sollten in diesem Bereich konkrete Initiativen entwickeln, um eine effektive Lösung auf der Basis der bestehenden Gesetzgebung zu erreichen. Buddhistischer Religionsunterricht. In Berlin hat die buddhistische Gemeinschaft die Erlaubnis erhalten buddhistischen Religionsunterricht in einigen Grundschulen als freiwilliges Fach anzubieten. In fast allen Bundesländern wird erwartet, dass es in naher Zukunft einen Mangel an Religionslehrkräften gibt, wie bereits im letzten Jahr berichtet. Einige regionale protestantische Kirchen haben Werbekampagnen für den Religionsunterricht gestartet ("Wer keine Ahnung zu Religion hat, glaubt an alles"). Diese Aktivitäten betonen den Beitrag des Religionsunterrichts zu einem umfassenden Bildungsverständnis und die übergreifende Bildungs- und Erziehungsaufgabe der Schule. Die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) hat ein offizielles Dokument (Denkschrift) zu Bildung und Bildungspolitik aus protestantischer Perspektive in der Wissens- und Lerngesellschaft veröffentlicht, Titel: „Maße des Menschlichen“. In dieser Stellungnahme wird für eine umfassende multidimensionale Sicht von Bildung plädiert, in der religiöse Bildung ein entscheidendes Element darstellt. Gerade in einer Zeit der Globalisierung wird die Notwendigkeit von interkulturellem und interreligiösem Lernen deutlich unterstrichen.
Introduction This report gives information about developments and the main items of the debate about Religious Education in the public (government) school in Germany. This has to be seen in a wider framework of an educational debate which was highly influenced by the results of two international comparative studies: The OECD (Office for Economic Cooperation and Development) Programme for International Student Assessment (PISA) a survey of the knowledge and skills of 15-year-olds (reading, mathematical and scientific literacy) and the International Reading Literacy Study, PIRLS, measuring competency in reading (and other areas) at the end of elementary school. The German result in PISA was much worse than expected although the elementary pupils did quite well. The debate about a more efficient education system has raised the question about agreed standards for all subjects. This is also a debate now in Religious Education. The general situation of RE (Protestant) was summarized in an official report of the Conference of Ministers of Culture and education in March 2003 (regular report) RE is seen as an ordinary well established school subject in the federal education system. Very few pupils take their right to withdraw from RE. The Conference of responsible ministers has decided that there will be common standards for final exams in upper secondary school from autumn 2004 on. The concrete regulations will be worked out in a joint committee of the state and the religious communities. Two public polls in 2003 confirmed the positive image of RE in society. In the first poll 82% said YES to RE in public schools and 65% confirmed the involvement of the religious communities and the churches. In the second poll 2/3 agreed to RE as a regular subject in public school and just 7% wished to remove RE from the curriculum. Denominational Co-operation. There were nearly no new developments during the last year in this respect. Also the first Ecumenical ‘Kirchentag’ with more than 200,000 participants took place in Berlin this did not foster more ecumenical co-operation in RE. Examples can be found on regional levels where the Catholic church is in a minority situation (Lower Saxony and other areas) or where an academic project is established (Baden-Wuerttemberg). Interreligious Learning. This is a well accepted task for RE on the level of curriculum and methods. However it is an obligatory part of teacher training in just some of the re-gional states (Bundeslaender). And also in the practice in the classroom interreligious learning is influenced by hesitations and fear of the teacher, stereotypes and a lack of qualified teachers from non-Christian religions. The Comenius-Institut will publish a handbook on Interreligious Learning in 2005 to support this important area for RE. Islamic Religious Education. There is a general agreement that the implementation of an Islamic RE is a great need especially in areas with a high number of Muslim populations. However little progress can be reported in this area. In Lower Saxony a project has started this school term of German speaking Islamic RE in primary school. In Bavaria there are plans to introduce Islamic RE in Erlangen. More should be done by the ministers of education to propose a more effective solution on the basis of the existing legal situation. Buddhist Religious Education. In Berlin the Buddhist Community received permission to introduce Buddhist Religious Education in some schools as a voluntary subject. In nearly all Bundesländer there is the expected situation of a shortage of RE teachers in the near future, as it was reported in 2003. Some regional Protestant Churches have started campaigns for Religious Education (“Those who have not a clue about religion finally believe in everything”). These activities refer to the value of Religious Education as part of general education and the overall mission of the school. The
EKD (Protestant Church of Germany) has published an official
document (Denk-schrift) on education and the Protestant perspective
about education in a Knowledge- and Learning society (Maße des
Menschlichen – Dimensions of the Human). In the statement it is
argued for a comprehensive, multi-dimensional vie on education, where
religious education is a decisive element of. Concerning the aspect
of globalisation the need of inter-cultural and interreligious education
is clearly underlined.
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last updated October 15th, 2005 |
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